Strenge Einfuhrkontrollen

Am 04.08.2021 von Emil Löxkes

Nilbarsch – ein beliebter Speisefisch

Der Nilbarsch (Lates niloticus), auch Viktoriabarsch genannt, ist ein Süßwasserraubfisch und gehört zur Familie der Riesenbarsche. Er kommt im tropischen und subtropischen Afrika natürlicherweise in vielen Flüssen und Seen vor. Im Victoriasee, dem zweitgrößten Süßwassersee der Welt, wurde der Fisch erst in den 1950er Jahre von einem britischen Kolonialbeamten ausgesetzt, der damit die einheimische Wirtschaft ankurbeln wollte.

Im Victoriasee vermehrte sich der Nilbarsch stark und verdrängte andere dort natürlicherweise vorkommenden Barscharten. So wurde durch die künstliche Ansiedlung das ökologische Gleichgewicht des Victoriasees empfindlich gestört. Erwachsene Nilbarsche leben in 10 bis 60 m Tiefe und ernähren sich hauptsächlich von kleineren Fischen; die Jungtiere, die sich überwiegend im Uferbereich aufhalten, fressen Zooplankton, Insekten und Krebstiere. Nilbarsche werden maximal 2 m lang und bis zu 200 kg schwer, wobei die Weibchen größer werden als die Männchen. Die meisten Tiere erreichen nur eine Größe bis zu 1 m.

Fang-Saison das ganze Jahr

Gefangen wird der Fisch ganzjährig mit saisonalen Schwankungen. Von Januar bis März sinken die Fangmengen, in dieser Zeit steigen die Preise an. Die Fangmengen erreichen von September bis Dezember wieder ihren Höhepunkt. Beim Fang auf dem Victoriasee kommen keine großen Fangflotten zum Einsatz, sondern kleine Boote mit einfacher Ausrüstung. Zum Teil wird der Nilbarsch auch in Aquakultur produziert. Von den Anrainern des Victoriasees Tansania, Kenia und Uganda exportieren derzeit die beiden ersteren Nilbarsch über den Frankfurter Flughafen nach Europa.

Auf dem Weg in die Verkaufstheke

Im Jahr 2020 wurden an der Tierärztlichen Grenzkontrollstelle (TGSH) am Flughafen Frankfurt 95 Sendungen Nilbarschfilet mit einem Gesamtgewicht von rund 438 Tonnen abgefertigt. Der Großteil mit gut 404 Tonnen kam aus Tansania, der restliche aus Kenia. Die Größen der Sendungen variierten dabei von 320 Packstücken mit einem Gewicht von insgesamt 1200 kg bis zu 2.500 Packstücken mit 10.200 kg Gesamtgewicht.

Strenge Einfuhrkontrollen in der TGSH

Eine Einfuhr ist nur möglich, wenn der Fisch aus einem Betrieb stammt, der nach den Hygienevorgaben der EU arbeitet. Bei allen Sendungen erfolgt zunächst die Kontrolle des Gesundheitszeugnisses. Dieses Gesundheitszeugnis muss jede Sendung begleiten, von einem amtlichen Tierarzt des Ursprunglandes ausgestellt worden sein und bestimmte Garantien bezüglich der Herkunft der Fische/Fischfilets und deren Eignung als Lebensmittel geben. Im Anschluss daran wird von den Mitarbeitern der TGSH die Nämlichkeit der Ware kontrolliert, d. h. die Kontrolle der Anzahl der Packstücke, deren korrekte Kennzeichnung, deren Übereinstimmung mit den Angaben im Gesundheitszeugnis sowie die Unversehrtheit und Vollständigkeit der Sendung. Weiterhin wurden nach einem von der Europäischen Union festgelegten Schlüssel bei 13 dieser Sendungen Warenuntersuchungen durchgeführt, die keinerlei Beanstandung ergaben. Auch weitere Analysen (z.B. Prüfung der mikrobiellen Belastung) ergaben keinerlei Hinweise auf Mängel der Importware.

Von den in Frankfurt abgefertigten 95 Sendungen Nilbarsch verblieben 44 Sendungen (123 Tonnen) in Deutschland, 27 Sendungen (131 Tonnen) wurden nach Italien transportiert und 18 Sendungen (157 Tonnen) gingen nach Dänemark. Die Niederlande importierte mit 6 Sendungen (26 Tonnen) die geringste Menge an Nilbarsch.

Nilbarsch kommt in der Regel unter dem Namen Victoriabarsch in den Handel. Wegen seines günstigen Preises ist er in Europa ein beliebter Speisefisch. Sein Fleisch ist weiß bis rötlich, fest, saftig und besitzt einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren. Der intensive Geschmack erinnert an Hühnerfleisch. Durch sein festes Fleisch kann er auf verschiedenste Methoden (Braten, Dünsten oder Backen) zubereitet werden.

Quelle: Landesbetrieb Hessisches Landeslabor