Listeriose-Erkrankungen nehmen zu - Welche Rolle spielen verzehrfertige Lebensmittel?

Am 19.03.2021 von Emil Löxkes

Listeriose-Erkrankungen des Menschen nehmen seit einigen Jahren in Deutschland und Eu-ropa fortlaufend zu. Vor allem mit Listeria monocytogenes verunreinigte Lebensmittel verur-sachen diese Erkrankung, die zwar vergleichsweise selten auftritt, aber zu lebensbedrohen-den Blutvergiftungen und Gehirn- oder Gehirnhautentzündungen führen kann. Für Schwan-gere, Neugeborene und Personen, die durch ihr hohes Alter, Vorerkrankungen oder Medika-menteneinnahme ein geschwächtes Immunsystem aufweisen, besteht ein erhöhtes Risiko, an Listeriose zu erkranken. Bei Schwangeren, die oft keine oder nur grippeähnliche Be-schwerden haben, kann die Infektion eine Früh- oder Fehlgeburt auslösen. Für gesunde Er-wachsene stellt die Listeriose in der Regel keine Gefahr dar. Meist verläuft eine Infektion bei ihnen symptomlos und bleibt unerkannt. Häufig mit Listeria monocytogenes verunreinigt waren in den letzten Jahren vor allem verzehrfertig angebotene Lebensmittel. Listerien sind weit verbreitet in der Umwelt und gut überlebensfähig, so kommt es auch bei der Produktion und Weiterverarbeitung von Lebensmitteln zu Verunreinigungen. Die Bakterien wachsen besonders gut bei Temperaturen von 30 bis 37 °C. Auch im Kühlschrank sind diese Keime in der Lage, sich langsam zu vermehren. Insbesondere bei langen Lagerzeiten können so für den Menschen bedenkliche Keimzahlen erreicht werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat daher anhand von 40 verzehrfertigen Lebensmitteln, in denen Listerien gut überleben, bewertet, ob sie in den letzten Jahren häufiger konsumiert wurden und inwieweit solche Produkte mit Listeria monocytogenes verunreinigt waren. Dazu hat das BfR Daten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und Ergebnisse aus der Lebensmittelüberwachung ausgewertet. Dabei zeigten 14 Lebensmittel aus verschiedenen Bereichen einen Trend zu häufigerem Verzehr: vorgeschnittene Obstsalate, diverse Fertiggerichte, die ohne weitere Erhitzung gegessen werden, hitzebehandelte Erzeugnisse aus Fisch oder Geflügelfleisch, Feinkostsalat e oder auch frische Sprossen und Keimlinge. Mit Listeria monocytogenes verunreinigt waren in den letzten 10 Jahren häufiger verzehrfertige Fischprodukte wie kalt- und heißgeräuchert er sowie Graved Fisch (gebeizt, das heißt: gesalzen) und Fleischerzeugnisse, vor allem rohes Hack- (Schwein) und Schabefleisch (Rind) sowie streichfähige Rohwürste, wie Teewurst. Hitzebehandelt e Fleischerzeugnisse enthielt en zwar weniger häufig Listeria monocytogenes, aber trotzdem regelmäßig auch zu hohe Gehalte des Erregers. Vereinzelt ließen sich auch in Feinkostsalat en, Käse aus Kuhmilch, feinen Backwaren und Fertiggerichten Listeria monocytogenes nachweisen.

Seite 2 von 57 Anhand der vorliegenden Daten lässt sich allerdings nicht bewerten, ob ein vermehrter Verzehr solcher mit Listeria monocytogenes verunreinigter Produkte für den Anstieg der Listeriose-Erkrankungen in Deutschland mit verantwortlich ist. Dafür wären gezielte Erhebungen zu Verzehrsgewohnheiten der dafür empfänglichen Personengruppen und weitere Daten zu bisher unzureichend untersuchten verzehrfertigen Lebensmitteln nötig. Als weitere Ursachen für den Anstieg von Listeriose-Erkrankungen in Deutschland und Europa kommen eine Zunahme der Anzahl von empfänglichen Personen und eine Verbesserung der Melde-systeme für diese Erkrankungsfälle in Betracht. Des Weiteren hat das BfR innovative technologische Verfahren für Herstellung, Haltbarmachung und Vertrieb verzehrfertiger Lebensmittel bewertet, um das Vorkommen von Listerienzu reduzieren. Das BfR hat zum Schutz vor Lebensmittelinfektionen mit Listerien Verbrauchertipps veröf-fentlicht (siehe https://www.bfr.bund.de/cm/350/verbrauchertipps-schutz-vor-lebensmittelin-fektionen-mit-listerien.pdf). Denn insbesondere für die Personengruppen mit einem erhöhten Risiko gelten besondere Regeln für den Verzehr bestimmter Lebensmittel sowie die Küchen-hygiene. Dazu gehört vor allem, Lebensmittel, die vor dem Verzehr nicht mehr erhitzt werden, möglichst frisch selbst zuzubereiten und rasch zu verzehren. Im Kühlschrank zwischengelagerte Lebensmittel sollten innerhalb von zwei bis drei Tagen verbraucht werden.

Den kompletten Text finden Sie unter:

https://www.bfr.bund.de/cm/350/verbrauchertipps-schutz-vor-lebensmittelinfektionen-mit-listerien.pdf

Quelle: bfr.bund.de