Darf eine Kündigung während des Urlaubs ausgesprochen werden?

Am 10.10.2019 von Emil Löxkes

Was tut man, wenn man aus dem Urlaub zurückkehrt und die Kündigung des Arbeitsvertrags im Briefkasten vorfindet? Grundsätzlich gilt: Wer gegen seine Kündigung vorgehen möchte, muss dies innerhalb von drei Wochen tun (§ 4 KSchG). Diese Frist beginnt mit Zugang der Kündigung, das heißt in dem Zeitpunkt, in dem man unter gewöhnlichen Umständen darauf zugreifen kann. Im Regelfall also, wenn die Kündigung sich im Briefkasten befindet. Die tatsächliche Kenntnisnahme spielt hierbei keine Rolle. Ist diese Frist jedoch bereits verstrichen, möglicherweise, weil man die ganze Zeit über im Urlaub war, wird es schwieriger, sich gegen die Kündigung zu wehren. Es ist völlig unerheblich, dass der Arbeitgeber wusste, dass sich der Arbeitnehmer im Urlaub befindet und dass sich dieser Urlaub über mehr als drei Wochen erstreckt (BAG, Urt. v. 22. 3. 2012 – 2 AZR 224/11). Damit die verspätete Klage trotzdem zugelassen wird, muss der Gekündigte darlegen, dass die Klage nicht fristgerecht eingereicht werden konnte, er die Frist also schuldlos versäumt haben. Das geht beispielsweise indem Flugtickets vorgelegt werden, Buchungsunterlagen, etc. War der Gekündigte allerdings länger als sechs Wochen im Urlaub, muss er zusätzlich beweisen, dass es ihm nicht möglich war, jemanden zu beauftragen, sich um die Post zu kümmern und ihm diese ggf. zu übermitteln oder Information über den Inhalt geben (BAG, Urt. v. 25.4.2018 – 2 AZR 493/17).Hier gelten jedoch ebenfalls strenge Fristen. So ist es innerhalb von zwei Wochen nach Behebung des Hindernisses, spätestens aber binnen sechs Monaten vom Ende der versäumten Frist an, notwendig, den Antrag zu stellen, § 5 Abs. 3 KSchG. Der Antrag auf Zulassung der verspäteten Klage muss zusammen mit der Klageschrift eingereicht werden.