„Betriebliches Gesundheitsmanagement zwischen Kochlöffeln“

In der Großküche der Servicegesellschaft Nordbaden, im Haus des langjährigen Verbandsmitglieds Bertold Kohm, wird nicht nur schwer gearbeitet, sondern seit Mai 2019 auch dreimal täglich geturnt – im Rahmen der aktiven Minipause.

Am 8.9.2019 von Emil Löxkes

Entspannung am laufenden Band Bild BZN

Für seine insgesamt 80 Mitarbeiter*innen hat sich die Küchenleitung etwas einfallen lassen. „Wir wollen unsere Mitarbeiter*innen langfristig gesund erhalten und einen Ausgleich für die zum Teil körperlich einseitig beanspruchenden Tätigkeiten in der Küche schaffen.“ So wurde die Idee der aktiven Minipause entwickelt. Ziel war es, den Mitarbeiter*innen ein Präventions-Angebot zu machen, das sich ohne viel Aufwand in den täglichen Alltag integrieren lässt und dadurch auch wirklich gelebt wird. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement spielt bei der SGN-Mutter, dem Psychiatrischen Zentrum Nordbaden, schon länger eine bedeutende Rolle. So lag es nahe, gemeinsam mit den BGM-Spezialistinnen vom PZN, dem SGN-Betriebsrat und einer externen ausgebildeten Rückentrainerin ein maßgeschneidertes Konzept für die Küche zu entwickeln: Die Minipause am Band!

Mit entspannenden und aktivierenden Körperübungen lockern die Mitarbeiter*innen seitdem nun dreimal täglich für 3-5 Minuten ihre Muskulatur, gleichen einseitige Bewegungen am Portionier- und Spülband aus und bekommen neue Energie für den Arbeitsalltag. „Mit wenigen ausgewählten Übungen kann man schon viel erreichen. Wichtig ist, keine 0815-Maßnahme zu machen, sondern das Angebot auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter vor Ort abzustimmen - und dann läuft’s!“, erklärt die externe Trainerin Stephanie Müller. Sie hat die Einführung der Minipause professionell begleitet.

Fünf Multiplikator*innen, darunter auch Führungskräfte übernehmen abwechselnd die Rolle als Anleiter*in und motivieren ihre Kolleg*innen. „Wichtig war uns, dass die Minipause als wertvolle Arbeitsunterbrechung akzeptiert und nicht belächelt wird. Daher beteiligen wir Führungskräfte uns auch ganz bewusst als Multiplikatoren und Teilnehmer. Die Mitarbeiter*innen spüren so, dass wir absolut hinter dieser Maßnahme stehen“ sagt Bertold Kohm. Das macht einen großen Teil der Akzeptanz aus. Auch die konsequente Beteiligung aller Mitarbeiter*innen bei der Einführung des Konzepts war sicher ein Erfolgsfaktor. „Wir wurden gut darüber informiert, was die Ziele des Projekts sind. Das A und O ist, dass auch die Chefs immer wieder mitmachen“, so eine Mitarbeiterin. Neben der gesundheitsförderlichen Wirkung macht die Maßnahme einfach Spaß! Merlyn Philipp, eine Multiplikatorin: „Wenn wir mit der Minipause fertig sind, sind alle glücklich!“

Backup-Infos aus Gesprächen:

· 80 Mitarbeiter*innen in der Küche der SGN

· Am Portionierband arbeiten zeitgleich ca. 10 Personen

· Seit Januar 2015 gibt es die SGN-Küche, Situation in der Küche kurz beschreiben: welche Arbeit und Belastungen dort bestehen

· Seit Mai 2019 gibt es die Minipause, ist das 1. BGM-Angebot, das speziell für die Bedürfnisse der SGN-Mitarbeiter*innen stattfindet; GV Betriebsleiter: „Außergewöhnliche Arbeitsplätze erfordern außergewöhnliche Maßnahmen“

· Minipause wurde in Zusammenarbeit mit PR und dem BGM des PZN entwickelt

· Ziel: Entlastung für den Rücken schaffen, monotone Bewegungen und dadurch entstehende Belastungen ausgleichen, zusammen Spaß haben

· Einführung in Zusammenarbeit mit externer Trainerin Stephanie Müller von your.coach. Hat Ortsbegehung und Tätigkeitsanalyse durchgeführt und dementsprechend Übungen zusammengestellt

· Konzept entwickelt durch BGM und dann an Bedürfnisse vor Ort angepasst.

· GV Betriebsleiter Herr Bertold Kohm hat Konzept, Ziele und Nutzen allen Mitarbeiter*innen im Rahmen einer Personalversammlung vorgestellt. Danach dann Schulung aller MA durch die Trainerin Frau Müller und Ausbildung der Multiplikator*innen vor Ort

· Handout

· Ca. 5-6 Multiplikator*innen, die die Minipause täglich vor Ort durchführen – lassen zusätzlich zu den geschulten Übungen auch eigene Ideen und Übungen einfließen, immer individuell und abhängig von der Tagesform

· Koch und Multiplikator: „Am Anfang waren wir unsicher, wie das Angebot bei den Kolleg*innen ankommt. Aber: Die Minipause macht uns viel Spaß und wird von den Mitarbeiter*innen gut angenommen“

· 3 x am Tag, nach Ablauf der Bänder (Frühstücksband, Mittagsband, Abendband) um 7:00, 12:00 und 16.30 Uhr, ca. 2-3 Übungen zwischen 3-5 Minuten

· Wird individuell von der/m Multiplikator*in durchgeführt, die/der gerade da ist

· Auch die Führungskräfte der Küche ebenso wie die Köche beteiligen sich aktiv an der Minipause, sowohl als Teilnehmer wie auch als Multiplikatoren.

· Das macht sicher auch einen großen Teil der Akzeptanz aus: „Das A&O ist, dass auch die Chefs immer wieder mitmachen“. Die Kommunikation der Maßnahme durch die obersten Führungskräfte und dass durch die Schulung die Ziele und der Nutzen von kurzen Arbeitsunterbrechungen allen Mitarbeiter*innen aufgezeigt wurde, sind sicher wichtige Erfolgsfaktoren, dass das Projekt so erfolgreich umgesetzt werden konnte.

· „Wichtig war uns, dass die Minipause als wertvolle Arbeitsunterbrechung akzeptiert wird und nicht belächelt wird – daher beteiligen wir Führungskräfte uns auch ganz bewusst als Multiplikator*innen und Teilnehmer*innen – und die Mitarbeiter*innen spüren so, dass wir absolut hinter dieser Maßnahme stehen“

· Wichtig: Ohne Geräte, einfache, kurze Übungen, die jede*r mitmachen kann, zur Lockerung, Aktivierung, Entlastung und Entspannung

· Ausbildung weiterer Multiplikator*innen ist geplant, je mehr Leute hier den Startschuss geben für eine Minipause, umso lebendiger und regelmäßiger wird es durchgeführt – „man muss immer wieder am Ball bleiben und je mehr Leute die Verantwortung übernehmen, umso leichter ist’s.“ Daher plant Bertold Kohm bereits die Ausbildung weiterer Multiplikator*innen….

· Findet regelmäßig statt, schon am Anfang bei vielen Mitarbeiter*innen Akzeptanz – je länger die Minipause durchgeführt wird, umso selbstverständlicher ist die Teilnahme (die natürlich freiwillig ist)

· Gute Beteiligung, manch eine*r, der am Anfang skeptisch war, ist mittlerweile vom Nutzen der Minipause überzeugt

· Mittlerweile haben auch die Kolleg*innen vom Casino, dem SB-Shop und dem Komfortbereich das Konzept für sich übernommen und erfreuen sich an dem Minipausen-Energie-Kick

· Es lebt davon, dass die Mitarbeiter*innen immer wieder von den Multiplikator*innen motiviert werden und eine*r sagt: Los geht’s“!

· „Macht Spaß“, „tut gut“, „man glaubt gar nicht, wie so eine kurze Pause und die Gegenbewegungen zur einseitigen Belastung positiv wirken“, „nach der Minipause ist das Gefühl anders, Energie kommt rein“

· Multiplikatorin auf dem Foto: Frau Merlyn Philipp: „Wenn wir mit der Minipause fertig sind, sind alle glücklich!“

· „Es braucht gar nicht viel, um eine gute Wirkung zu erzielen. Mit wenigen ausgewählten Übungen kann man schon viel erreichen. Wichtig ist: Keine 0815-Maßnahme zu machen, sondern das Angebot auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter vor Ort abzustimmen… und dann läuft’s!!“, Stephanie Müller, your.coach – Externe Trainerin

Mehr über die SGN unter www.sgn-wiesloch.de