Innerlich schon gekündigt?

Am 13.04.2019 von Emil Löxkes

Die so genannte innere Kündigung bezeichnet eine Situation, in der ein Mitarbeiter eine engagierte Arbeitsleistung verweigert. Zwar will der oder die Betroffene die Stelle behalten, sich jedoch aufgrund einer nicht befriedigenden Arbeitssituation nicht mehr über das absolut erforderliche Maß hinaus einsetzen. Etwa 25 Prozent der Beschäftigten in Deutschland sind davon betroffen. Die innere Kündigung ist für Vorgesetzte und die Unternehmensführung nur schwer zu erkennen und einzudämmen. Den gesamtwirtschaftlichen Schaden beziffert das Marktforschungsinstitut Gallup auf rund 250 Milliarden Euro pro Jahr. Eine innere Kündigung ist stets Ausdruck eines hohen Maßes an Frustration beim Arbeitnehmer. Die Veränderungen finden, auch für Betroffene, schleichend und damit zumindest zu Beginn kaum merklich über Wochen oder Monate statt.

Bei einer inneren Kündigung lässt oft zuerst die Arbeitsmotivation deutlich nach: Ehrgeiz und Antrieb bleiben auf der Strecke und Aufgaben werden gerne an Kollegen weitergegeben. Es mangelt an Initiative, Einsatzbereitschaft, neuen Ideen, Verbesserungsvorschlägen und auch an konstruktiver Kritik. Die Geschehnisse im Unternehmen und dessen Zukunftsplanung sind nicht mehr interessant und die aktive Teilnahme an Gesprächen und Diskussionen im Team bleibt aus. Letztendlich besteht die größte Freude vor allem darin, von allen in Ruhe gelassen zu werden. Es herrscht eine distanzierte, ablehnende, pessimistische oder auch resignierende Grundhaltung gegenüber der Arbeitsumgebung. Besonders nach dem Wochenende ist der Weg zur Arbeit eine Qual und es treten Symptome wie Übelkeit, Schwindel oder Kopfschmerzen auf. In der Folge nimmt das krankheitsbedingte Fehlen am Arbeitsplatz überproportional zu.

Die Gründe, die zur inneren Kündigung führen, sind vielschichtig und vielfältig. Wesentliche Ursachen liegen in den Bereichen Führung und Zusammenarbeit. Beispiele hierfür sind mangelnder Respekt und geringe Wertschätzung, keine persönlichen Feedbackgespräche und keine Anerkennung von Leistung, Konflikte im Team oder schlechtes Arbeitsklima, ungerechte Behandlung bis hin zu Mobbing und Diskriminierung, ständige oder unfaire sowie verletzende Kritik an der Arbeit oder der eigenen Person und die Unzufriedenheit mit dem Verhalten des Vorgesetzten. Aber auch die Tätigkeit selbst kann beispielsweise bei dauerhafter Über- oder Unterforderung die Ursache einer inneren Kündigung sein. Letztendlich führen auch fehlende Aufstiegsmöglichkeiten und Zukunftsperspektiven im Unternehmen sowie die Bedrohung des Arbeitsplatzes durch Reorganisationen oder die Einführung neuer Prozesse und Technologien zur Frustration und der inneren Kündigung eines Mitarbeiters. Es ist nicht leicht, sich einzugestehen, dass die Arbeit längst nicht Freude bereitet. Aber gerade dann sollte man, im eigenen Interesse, die aktuelle Situation nicht länger verleugnen und sie zum Anlass nehmen, sich über die Ursachen klar zu werden und notwendige Änderungen vorzunehmen.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, sich aus dem „Teufelskreis“ zu befreien und wieder mehr Freude an der Arbeit zu gewinnen. Kurzfristig kann die Unzufriedenheit bei der Arbeit über das Privatleben ausgeglichen werden: Sport treiben, Freuden treffen, sich ein Hobby suchen, ein Ehrenamt ausüben, u.v.a.m. Vorausgesetzt es gibt kein zerstörtes Vertrauensverhältnis mit dem Vorgesetzten, ist ein gut vorbereitetes Vieraugengespräch, verbunden, mit dem Ziel, gemeinschaftlich eine Lösung für das Grundproblem zu finden, das Mittel der Wahl. Dabei können z.B. ein Stellenwechsel innerhalb des Unternehmens, die Übernahme interessanter zusätzlicher Tätigkeiten oder eine Entlastung durch eine gerechtere Verteilung der Aufgaben vereinbart werden. Ist eine Lösung im Unternehmen nicht möglich, sollte über eine berufliche Neuorientierung bei einem anderen Arbeitgeber oder die Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit, bei der man auch Stück für Stück einsteigen und nebenberuflich beginnen kann, nachgedacht werden. Aber auch eine Auszeit vom Beruf kann durchaus dazu beitragen, die Gedanken neu zu ordnen, sich neu zu orientieren und danach wieder durchzustarten.

Die Einstellung des Arbeitnehmers ist hier entscheidend: In der Opferrolle zu verharren, ohne etwas zu verändern, kann auf Dauer nicht die Lösung sein. Auch Wut, Frust und andere negative Emotionen können zwar Antrieb für eine Veränderung sein, eignen sich jedoch nicht dazu, realistische Zukunftspläne zu entwickeln und umzusetzen. Nur wer sich selbstkritisch mit seinen eigenen Fähigkeiten, Möglichkeiten und Wünschen auseinandersetzte, kann passgenaue Lösungen finden und sich auf dem Arbeitsmarkt wieder erfolgreich positionieren. Dabei kann es auch durchaus hilfreich sein, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.