Eigene Rechte kennen bei Zeiterfassung

Am 30.08.2018 von Emil Löxkes in Verbandsinternes, Gesetze und Vorschriften

Zu einer festen Zeit Feierabend? An vielen Arbeitsplätzen ist das nur Wunschdenken. Obwohl immer mehr Unternehmen eine gute Work-Life-Balance versprechen, gehören Überstunden für viele Arbeitnehmer immer noch zum Arbeitsalltag.
Das Pensum der geleisteten Überstunden in Deutschland ist in den vergangenen Jahren stabil geblieben. Wenn man sich die Gesamtheit von bezahlten Überstunden, unbezahlten Überstunden und mit Freizeit abgegoltenen Überstunden ansieht, dann blieb die Zahl seit der Wiedervereinigung weitgehend konstant, sagt Professor Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg.
Allerdings gab es eine Verschiebung innerhalb der geleisteten Überstunden: solche, die bezahlt werden, haben sich halbiert, dafür gibt es doppelt so viele Überstunden, die so genannt abgefeiert werden können. Ein Trend geht also zu Arbeitszeitkonten. Doch es gibt auch viele Mitarbeiter, deren geleistete Stunden überhaupt nicht erfasst werden. Je nach Unternehmen und Position sind Überstunden mit dem Gehalt abgegolten, Klauseln im Arbeitsvertrag regeln das scheinbar.
Klauseln im Arbeitsvertrag können unzulässig sein
Aber: Klauseln eines vom Arbeitgeber vorformulierten Arbeitsvertrags können ähnlich wie Allgemeine Geschäftsbedingungen unzulässig sein, so ein Anwalt für Arbeitsrecht. Bei der pauschalen Abgeltung von Überstunden ist die Regelung intransparent und somit unzulässig. in der Theorie kann ein Mitarbeiter den Arbeitgeber hier auffordern, Überstunden trotzdem zu bezahlen, wenn er seine Forderung belegen kann. Ein Arbeitnehmer trägt die Darlegungs- und Beweislast und muss deshalb belegen können, dass er die Überstunden entweder nach Anordnung geleistet, oder dass sie nötig waren, der Arbeitgeber davon wusste und es gebilligt hat. Wie erfolgreich dieses Nachhalten ist, hängt von der eigenen Position ab: Kann ein Arbeitnehmer in seiner Anstellung erwarten, dass Überstunden gesondert bezahlt werden? Bei Führungskräften oder Mitarbeitern mit sehr freier Zeitgestaltung und sehr hohem Gehalt ist das meistens nicht der Fall, so der Fachanwalt. Aber ein ganz „normaler“ Mitarbeiter erwartet selbstverständlich, dass zusätzliche Arbeit entsprechend bezahlt wird. Oft fehle nur der Mut, für das Extra-Geld zu kämpfen.
Viele Mitarbeiter haben das Gefühl, von ihnen werden viele Überstunden erwartet, auch wenn dies nicht immer so offen kommuniziert wird. Hie ist vor allem die mittlere und niedrige Führungskräfteebene betroffen. Aber auch „normale“ Angestellte fühlen sich oft zu Überstunden verpflichtet: sie springen aus Loyalität für kranke Kollegen ein oder bleiben länger im Betrieb, weil der Kollege mit einer Aufgabe nicht rechtzeitig fertig wird. Und es gibt auch Betriebe, in denen Mitarbeiter seltsam angesehen werden, wenn sie pünktlich Feierabend machen.
Und oft gibt es vermeintlich lustige Sätze wie: „Heute nichts zu tun“? Wer sich das auf Dauer nicht gefallen lassen will, sollte – falls vorhanden – mit dem Betriebsrat bzw. der MAV, einer Vertrauensperson oder dem Betriebsarzt sprechen, der zur Verschwiegenheit verpflichtet ist. So kann man das Problem thematisieren und gemeinsam eine Strategie entwickeln.
Wenn zum Beispiel einmal im Jahr eine, oder mehrere, Sonderveranstaltung/en ansteht, dann wissen Arbeitnehmer allerdings im Vorfeld, von einem erhöhten Stresslevel. Wichtig ist es, den Rahmen einer solchen Phase mit dem Vorgesetzten klar abzustecken und zu fragen: Wann kann ich auch mal Pause machen um neue Kraft zu schöpfen?