Arbeit unter Schmerzen – wann Vorgesetzte informieren(?)

Am 6.8.2018 von Emil Löxkes in Verbandsinternes, Gesetze und Vorschriften

Migräne, Bluthochdruck oder Diabetes heißen nicht umsonst Volkskrankheiten. Die Zahl betroffener Arbeitnehmer, bei denen diese oder ähnliche Erkrankungen einen Teil des Alltags bestimmen, ist groß. Viele Berufstätige scheuen sich aber trotzdem, darüber mit dem Chef zu sprechen. Zu groß ist die Befürchtung, sich dadurch auf dem Karriereweg selbst Steine in den Weg zu legen. Doch ist es wirklich so gefährlich, dem Vorgesetzten von einer Krankheit zu erzählen?
„Mit solchen Offenbarungen sollen Beschäftigte sehr vorsichtig sein“, rät Jutta Boenig, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung (DGfK). „Betroffene laufen in der Tat Gefahr, quasi ausgemustert zu werden“. Einen grundsätzlichen Zwang zur Offenheit gibt es nicht, sagt Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht. „Vom Grundsatz her sind Arbeitnehmer nicht verpflichtet, über Krankheiten wie etwa Bluthochdruck den Arbeitgeber zu informieren“, sag er. Das sei Privatsache, solange der Beschäftigte die im Arbeitsvertrag vereinbaren Leistungen erbringe. Relevant sei es vor allem, wenn die Erkrankung sich konkret auf den Beruf auswirke.
Jeder Fall ist anders: Kontrolle durch Arzt wichtig
Vor dem Gespräch mit dem Chef sollten Betroffene immer erst mit einem Arzt sprechen, sagt Anette Wahl-Wachendorf vom Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte. Denn jeder Fall ist anders, je nach Tätigkeit und je nach Krankheit.
Ein kleiner Überblick:
Diabetes Mellitus: ist der Blutzucker gut eingestellt, ist diese Diagnose in der Regel kein Problem für Arbeitnehmer. Voraussetzung ist aber, dass sie regelmäßig Pausen einlegen können. Sind diese festen Auszeiten nicht möglich, wird es riskant. Eine ärztliche Beratung und Bewertung ist daher bei bestimmten Tätigkeiten unverzichtbar. In solchen Arbeitsverhältnissen sollte meistens auch der Arbeitgeber über die Diagnose Bescheid wissen: Häufig können dann Arbeitsbedingungen angepasst werden.
Migräne: Die heftigen Kopfschmerzattacken, oft verbunden mit Übelkeit und Lichtempfindlichkeit, können für manche Berufstätige sehr gefährlich werden. „Das Problem ist, das Frauen und Männer, die angeben, unter Migräne zu leiden, häufig nicht ernstgenommen werden“, sagt Boenig. Sind die Anfälle aber derartig heftig, dass der Arbeitnehmer kurzzeitig nicht arbeitsfähig ist, dann führt an einem Gespräch mit dem Vorgesetzen kein Weg vorbei.
Bluthochdruck: In manchen Berufen sind Konflikte, Zeitdruck oder extremer Stresse vorprogrammiert. Für Arbeitnehmer mit Bluthochdruck ist das eine ungünstige Situation – und eine Frage gut eingestellter Medikamente. Den Vorgesetzten müssen Betroffene deswegen aber nicht gleich informieren. Es kann aber je nach Betriebsklima sinnvoll sein: So kann man im Team vielleicht besprechen, wie sich im Sinne der Gesundheit Aufgaben anders verteilen lassen.